Infantinos CO2-Bilanz: Spielorte zwischen Umwelt und Event
Die Auswahl von 16 Spielorten in drei Ländern wirft Fragen zur CO2-Bilanz auf. Wie steht es um die Umweltverträglichkeit des Turniers?
Warum ist die CO2-Bilanz relevant?
Die CO2-Bilanz wird heutzutage mehr denn je als Maßstab für die Umweltverträglichkeit von Veranstaltungen herangezogen. In einer Welt, in der Klimawandel und ökologische Verantwortung ständig diskutiert werden, ist es wenig überraschend, dass auch der Sport nicht mehr von dieser Diskussion ausgeschlossen wird. Wenn ein Sportereignis an mehreren Spielorten in unterschiedlichen Ländern ausgetragen wird, ist die Bilanz schnell für die Verantwortlichen auf dem Prüfstand.
Für die FIFA und insbesondere für Präsident Gianni Infantino ist die Wahl von 16 Spielorten in drei verschiedenen Ländern nicht nur eine logistische Herausforderung, sondern auch ein potenzielles Umweltrisiko. Die Frage bleibt, ob der ökologische Fußabdruck, der durch Reisen, Infrastruktur und Energieverbrauch entsteht, wirklich die euphorischen Feierlichkeiten eines globalen Sportereignisses rechtfertigt.
Wie kam es zu den Spielorten?
Die Auswahl der Spielorte erfolgt oft nicht nur nach sportlichen Aspekten, sondern auch nach politischen und wirtschaftlichen Überlegungen. In diesem Fall scheint Infantino einen Versuch zu unternehmen, die FIFA als eine Organisation darzustellen, die global verankert ist. Ziel ist es, das Turnier in Ländern zu fördern, die vielleicht nicht die gleiche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wie andere Gastgeberländer haben, aber dennoch eine leidenschaftliche Fußballkultur besitzen. Doch wo bleibt die Umwelt in diesen Überlegungen?
Kritiker argumentieren, dass die Entscheidung, sich für mehrere Länder zu entscheiden, die CO2-Bilanz und die ökologische Nachhaltigkeit in den Hintergrund drängt. Anstatt die Belastung durch Reisen zu minimieren, wird sie durch das Zusammentragen von Spielen in weit auseinanderliegenden Ländern nur maximiert.
Was bedeutet das für die Umwelt?
Die Frage, die sich aufdrängt, ist, ob dieses Unterfangen unter dem Strich mehr für oder gegen die Umwelt spricht. Ein Event diesen Ausmaßes bringt unweigerlich massive Reisewellen mit sich. Ob Spieler, Fans oder Medienvertreter – die Emissionen steigen exponentiell mit jedem Flug und jeder Autofahrt. Und die Frage des Transports ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Infrastruktur, die für solche Großveranstaltungen notwendig ist, hat oft ebenfalls eine erhebliche Umwelteinwirkung.
Ein Schaufenster der Fußballkunst gerät schnell zum Schaufenster der Umweltverschmutzung, wenn die Planungen nicht im Hinblick auf Nachhaltigkeit erfolgen. Mit der zunehmenden Dringlichkeit der Klimakrise ist es an der Zeit, dass Sportverbände anfangen, ernsthafte Überlegungen zu Umweltschutz und CO2-Reduktion in ihre Planungen einzubeziehen.
Wer trägt die Verantwortung?
Hier wird es sowohl politisch als auch moralisch heikel. Während die FIFA die Verantwortung für die Organisation der Spiele trägt, sind es oft die Gastgeberländer, die unter dem Druck stehen, den eigenen Umweltschutz zu verbessern. Doch während jeder Akteur für sein eigenes Handeln verantwortlich ist, stellt sich die Frage, ob die FIFA auch bereit ist, Verantwortung für die durch ihre Entscheidungen verursachten Umweltauswirkungen zu übernehmen. Ein Treffen der Verantwortlichen könnte somit nicht nur eine sportliche Dimension haben, sondern auch eine umweltpolitische.
In der Diskussion über die CO2-Bilanz des Turniers könnte ein Umdenken stattfinden. Wenn das Fußballbusiness durch ein „Greenwashing“ von ökologischer Verantwortung profitieren will, muss es seine Strategien und Entscheidungen grundlegend überdenken.